Der Bringselverweis
Der Ursprung des Bringselverweises stammt aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Die Sanitätshunde mussten die Verwundeten auf dem Schlachtfeld lautlos anzeigen, sonst hätten sie zwangsläufig die Aufmerksamkeit des Feindes erregt. So brachte man ihnen bei, einen Gegenstand des aufgefundenen Soldaten zu apportieren, z.B. ein Kleidungsstück. Daraus entstand dann später der Bringselverweis.
Heutzutage ist der Bringselverweis in Deutschland (z.B. im Gegensatz zur Schweiz) sehr wenig verbreitet. Ein Nachteil liegt darin, dass diese Verweismethode nicht für die Arbeit in den Trümmern geeignet ist- so ist die Gefahr, dass der Hund an Halsband oder Bringsel beim Arbeiten hängen bleibt und sich verletzt, viel zu groß. Vermutlich ist das der Hauptgrund, weswegen viele Staffeln keine Bringsler ausbilden- denn hierzulande werden die meisten Rettungshunde "zweigleisig" ausgebildet (d.h. Flächen- UND Trümmersuche). Außerdem ist diese Verweisart deutlich aufwändiger in der Ausbildung, denn der Bringselverweis besteht (ähnlich wie der Freiverweis) aus einer komplexen Handlungskette, in die sich natürlich viele Fehler einschleichen können. Dennoch ist diese Anzeigeart unendlich faszinierend für mich...
Mir ist wichtig zu betonen, dass der Rückverweis KEINE Anzeigemethode "zweiter Klasse" ist, wie es leider immer noch (oder immer wieder) von verschiedenen Rettungshundeführern/-staffeln dargestellt wird! Jede Anzeigemethode hat Vor- und Nachteile und somit auch ihre Berechtigung. Es gibt unterschiedliche Gründe sich für oder gegen eine Methode zu entscheiden- und nicht zuletzt sollte man die individuelle Veranlagung seines eigenen Hundes beachten. Es passt nicht jeder Hund in das "Schema F"- aber deswegen ist er nicht weniger wert!
Bei Elliot war der Bringselverweis zunächst nur ein Experiment... Er eignet sich nicht als Verbeller- und nachdem ihm jahrelang in der alten Staffel das Verbellen quasi aufgezwungen wurde, stellte er seine Mitarbeit komplett ein. Nach monatelanger Pause haben wir das Training wieder aufgenommen und auf das Bringseln umgestellt. Die ersten Monate waren nicht einfach- vor allen Dingen musste Elliot erstmal wieder Spaß an der Arbeit finden. Er hat sich inzwischen gaaanz toll entwickelt- und er verweist zuverlässig und sauber! ABER: Hätten wir eher auf unser Gefühl gehört, was das Verbellen betrifft- wir hätten Elliot (und letztlich auch uns) unendlich viel Frust erspart!
Inzwischen ist aus dem Experiment "Bringseln" bei mir eine echte Liebe entstanden, könnte man sagen
;-). Mich fasziniert, wie ein Hund diesen komplexen Handlungsablauf umsetzen kann und mir macht es Spaß, mit meinem Hund so eng zusammenarbeiten zu können. Bei einem Verbeller sind meine Einflussmöglichkeiten als Hundeführer auf die Qualität der Anzeige doch recht begrenzt- und da ich mich ungern auf die Fähigkeiten meiner "Übungs-Opfer" verlasse, kommt mir persönlich das Bringseln sehr entgegen... Trotzdem hat alles seine Vor- und Nachteile, und so wird mir vor allen Dingen die Trümmersuche verwehrt bleiben. Soweit mir bekannt ist, gibt es durchaus Teams, bei denen der Hund in der Fläche mit dem Bringsel verweist und in den Trümmern verbellt. Da wir jedoch nur sehr, sehr begrenzte Möglichkeiten zur Arbeit in den Trümmern haben, nehme ich persönlich davon Abstand.
Bringselverweis: "Azubi" Sky (Magyar Vizsla) bei der Anzeige im Training (August 2010)
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